3D-Druck-Verfahren: Übersicht und Vergleich

Zuletzt aktualisiert: 8. Oktober 2026
Von: Sercan Kahraman

Es gibt sieben Gruppen von 3D-Druck-Verfahren, so teilt sie die Norm ISO/ASTM 52900 ein. Bekannte Namen wie FDM, SLA, SLS oder Binder Jetting sind Verfahren innerhalb dieser Gruppen. Hier siehst du, wie jedes Verfahren arbeitet, welches es für zu Hause gibt und wie ein Bauteil vom Modell bis zum fertigen Teil entsteht.

  • Die Norm ISO/ASTM 52900 teilt alle 3D-Druck-Verfahren in sieben Gruppen ein, etwa Materialextrusion (FDM), badbasierte Photopolymerisation (SLA, DLP, MSLA) und pulverbettbasiertes Schmelzen (SLS, SLM, EBM).
  • Für zu Hause gibt es vor allem zwei Verfahren: Filamentdruck (FDM) und Harzdruck mit LCD (MSLA).
  • SLS druckt Kunststoffpulver ohne Stützen, SLM schmilzt Metallpulver unter Schutzgas, dort brauchen Überhänge Stützen.
  • Ein LCD-Harzdrucker ist kein DLP-Drucker: Das LCD ist eine Maske vor LEDs, kein Projektor.
  • Die TU Bergakademie Freiberg teilt die Prozesskette in sechs Schritte: CAD-Modell, Modellaufbereitung, Prozessvorbereitung, Bauprozess, Nachbearbeitung, Anwendung.

Die Angaben zu den einzelnen Verfahren stammen von den Herstellern, von Fraunhofer-Instituten und aus Fachaufsätzen. Die Quellen stehen am Ende.

Welche 3D-Druck-Verfahren gibt es?

Es gibt sieben Gruppen von 3D-Druck-Verfahren: Materialextrusion, badbasierte Photopolymerisation, pulverbettbasiertes Schmelzen, Freistrahl-Bindemittelauftrag, Freistrahl-Materialauftrag, Schichtlaminierung und Materialauftrag mit gerichteter Energieeinbringung. So teilt sie die internationale Norm ISO/ASTM 52900 ein, in Deutschland gültig als DIN EN ISO/ASTM 52900 von 2022. Die bekannten Namen wie FDM, SLA oder SLS sind Verfahren innerhalb dieser Gruppen, oft auch 3D-Druck-Arten oder 3D-Druck-Technologien genannt.

Gruppe (Kürzel)Was passiertBekannte Verfahren
Materialextrusion (MEX)Material wird durch eine Düse ausgebrachtFDM, FFF, FLM
Badbasierte Photopolymerisation (VPP)Licht härtet flüssiges Harz in einem BeckenSLA, DLP, MSLA (LCD), CLIP
Pulverbettbasiertes Schmelzen (PBF)Wärme verschmilzt Bereiche eines PulverbettsSLS, SLM, EBM, Multi Jet Fusion
Freistrahl-Bindemittelauftrag (BJT)ein flüssiger Binder verklebt PulverBinder Jetting
Freistrahl-Materialauftrag (MJT)ein Druckkopf setzt Tropfen des Materials abMaterial Jetting, PolyJet, MultiJet Printing
Schichtlaminierung (SHL)Lagen aus Papier, Kunststoff oder Metallfolie werden verbundenLOM
Materialauftrag mit gerichteter Energieeinbringung (DED)Laser, Elektronenstrahl oder Lichtbogen schmilzt das Material, während es aufgetragen wirdLaserauftragschweißen (LMD), WAAM
Quelle: Gruppen und Kürzel nach ISO/ASTM 52900:2021, Abschnitt 3.2; deutsche Namen laut DIN Media; Zuordnung der Verfahren nach Herstellerangaben.
Acht bekannte 3D-Druckverfahren von FDM bis Elektronenstrahlschmelzen
Acht bekannte 3D-Druckverfahren, Grafik von threedom

Was ist Materialextrusion (FDM, FFF, FLM)?

Bei der Materialextrusion wird ein Kunststoffdraht, das Filament, in einer beheizten Düse geschmolzen und Bahn für Bahn auf das Druckbett gelegt. Schon 2014 nannte der VDI das Verfahren bei Heimanwendern weit verbreitet. FDM, kurz für Fused Deposition Modeling, ist eine Marke von Stratasys. Deshalb nennt das RepRap-Projekt dasselbe Verfahren FFF, Fused Filament Fabrication. Die VDI-Richtlinie 3405 spricht von FLM, Fused Layer Modeling. Überhänge brauchen Stützen, die bei Druckern mit zwei Düsen auch aus einem anderen, etwa löslichen Material sein können.

Mehr dazu: Fused Deposition Modeling (FDM) und FDM-Drucker-Arten.

Was ist badbasierte Photopolymerisation (SLA, DLP, MSLA)?

Bei der badbasierten Photopolymerisation härtet Licht ein flüssiges Harz, das in einem Becken steht, Schicht für Schicht aus. Die Verfahren unterscheiden sich darin, wie das Licht auf das Harz kommt:

  • SLA mit Laser: Ein UV-Laser fährt jede Schicht über bewegliche Spiegel ab.
  • DLP: Ein Projektor belichtet die ganze Schicht auf einmal. Das Bild formt ein Chip mit winzigen Spiegeln, den Texas Instruments unter dem Namen DLP herstellt.
  • MSLA oder LCD: Eine LED-Fläche leuchtet durch einen LCD-Bildschirm, der als Maske nur die Stellen der Schicht durchlässt. Das LCD ist also keine Lichtquelle.
  • CLIP: Carbon projiziert UV-Licht durch ein sauerstoffdurchlässiges Fenster, die Teile kommen danach in einen Ofen.

Formlabs zählt Laser, DLP und LCD alle zur Stereolithografie. Selbst der aktuelle Harzdrucker von Formlabs, der Form 4, belichtet mit einem LCD und nicht mehr mit einem Laser. Harzdrucker mit LCD gibt es auch für zu Hause, etwa die Photon-Mono-Reihe von Anycubic.

Mehr dazu: Stereolithographie (SLA), Digital Light Processing (DLP), FDM und SLA im Vergleich und die besten Resin-3D-Drucker.

Was ist pulverbettbasiertes Schmelzen (SLS, SLM, EBM)?

Beim pulverbettbasierten Schmelzen liegt das Material als dünne Pulverschicht auf der Bauplattform, und eine Wärmequelle verschmilzt gezielt die Stellen, die zum Bauteil gehören. Danach senkt sich die Plattform, eine neue Pulverschicht kommt darüber. Die Verfahren dieser Gruppe unterscheiden sich stärker, als die ähnlichen Namen vermuten lassen:

  • Selektives Lasersintern (SLS): Ein Laser schmilzt Kunststoffpulver wie Polyamid (PA) oder TPU. Das Pulverbett wird vorgeheizt. Stützen braucht es nicht, weil das lose Pulver das Teil trägt.
  • Selektives Laserschmelzen (SLM): Ein Laser schmilzt Metallpulver unter Schutzgas. Hier brauchen Überhänge Stützen, auch damit die Wärme abfließt. EOS nennt das Verfahren DMLS, die Normreihe ISO/ASTM 52911 PBF-LB/M.
  • Elektronenstrahlschmelzen (EBM): Ein Elektronenstrahl schmilzt Metallpulver im Vakuum. Jede Schicht wird vorher stark erhitzt, je nach Werkstoff laut Hersteller Colibrium Additive auf bis über 1000 °C.
  • Multi Jet Fusion (MJF) von HP: Ein Druckkopf trägt ein Schmelzmittel auf das Kunststoffpulver auf, danach schmilzt Infrarotwärme die benetzten Stellen. Auch hier trägt das lose Pulver das Teil.

Mehr dazu: Selektives Lasersintern (SLS), Selektives Laserschmelzen (SLM) und Elektronenstrahlschmelzen (EBM).

Was ist Freistrahl-Bindemittelauftrag (Binder Jetting)?

Beim Binder Jetting trägt ein Druckkopf einen flüssigen Binder auf eine Pulverschicht auf und verklebt das Pulver an diesen Stellen. Geschmolzen wird dabei nichts. Das Pulver kann aus Metall, Keramik, Glas oder Sand sein. Stützen braucht es nicht. Das frisch gedruckte Teil ist porös. Metallteile werden deshalb danach vom Binder befreit und im Ofen gesintert, wobei sie schrumpfen.

Mehr dazu: Binder Jetting.

Was ist Freistrahl-Materialauftrag (Material Jetting)?

Beim Material Jetting setzt ein Druckkopf winzige Tropfen des Materials gezielt ab, ähnlich wie ein Tintenstrahldrucker. Das Material ist meist ein lichthärtender Kunststoff, den UV-Lampen nach jeder Schicht sofort aushärten, bei 3D Systems auch Wachs für den Feinguss. Für Überhänge druckt ein eigener Druckkopf ein Stützmaterial, das sich später auswaschen, ablösen oder ausschmelzen lässt. Bekannt sind PolyJet von Stratasys und MultiJet Printing von 3D Systems, etwa für mehrfarbige Prototypen und in der Zahnmedizin.

Mehr dazu: Material Jetting.

Was ist Schichtlaminierung (LOM)?

Bei der Schichtlaminierung werden Lagen aus Papier, Kunststoff oder Metallfolie aufeinander verbunden und in Form geschnitten. Je nach Maschine wird erst geschnitten und dann verbunden oder umgekehrt. Beides beschreibt schon das Patent von Michael Feygin, das 1996 an die Firma Helisys ging. Mcor Technologies baute Drucker, die normales Büropapier verklebten und farbig bedruckten. Mcor stand Ende 2019 unter Zwangsverwaltung, ein solches Papiergerät haben wir im Handel nicht mehr gefunden (Stand Oktober 2026). Metallfolien verbindet Fabrisonic mit Ultraschall.

Mehr dazu: Laminated Object Manufacturing (LOM).

Was ist Materialauftrag mit gerichteter Energieeinbringung (DED)?

Bei der gerichteten Energieeinbringung schmilzt ein Laser, ein Elektronenstrahl oder ein Lichtbogen das Material in dem Moment, in dem es aufgetragen wird. Das Material kommt als Metallpulver oder als Draht. Beim Laserauftragschweißen (LMD) schmilzt ein Laser Pulver oder Draht, bei WAAM schmilzt ein Lichtbogen einen Draht, ähnlich wie beim Schweißen. Das Fraunhofer ILT nennt als Einsatz Schutzschichten gegen Verschleiß und Korrosion. Der VDI nennt das Instandsetzen von Bauteilen. Das Fraunhofer IPT baut so große Metallteile, die danach gefräst werden.

Welche 3D-Druck-Verfahren gibt es für zu Hause?

Für zu Hause kommen für dich vor allem zwei Verfahren in Frage: Materialextrusion mit Filament (FDM) und Harzdruck mit LCD (MSLA). Für beide verkaufen viele Hersteller Geräte für Privatleute. Ein lieferbares DLP-Gerät für Privatleute haben wir nicht gefunden: Der Photon Ultra von Anycubic ist ausverkauft (Stand Oktober 2026). Lasersinter-Geräte für den Tisch gibt es, etwa von Formlabs und Sinterit, sie richten sich aber an Werkstätten, Labore und Firmen. Für die übrigen Verfahren haben wir kein Gerät für Privatleute gefunden. Es gibt sie für Firmen, als Bürogerät oder als Industrieanlage.

Welcher Drucker zu dir passt, steht in unseren Kaufberatungen: 3D-Drucker im Vergleich und die besten Resin-3D-Drucker.

Wie unterscheiden sich die 3D-Druck-Verfahren im Vergleich?

VerfahrenAusgangsmaterialVerfestigt durchStützenFür zu Hause
FDM, FFFFilament aus Kunststoffbeheizte Düseja, bei Überhängenja
SLA mit Laserflüssiges HarzUV-Laserjakein aktuelles Gerät gefunden
DLPflüssiges HarzProjektorjaderzeit keins lieferbar gefunden
MSLA, LCDflüssiges HarzLED-Fläche hinter LCD-Maskejaja
Material JettingHarz, WachsTropfen aus dem Druckkopf, UV-Lampenja, eigenes Stützmaterialnein
Binder JettingPulver aus Metall, Keramik, Glas, Sandflüssiger Binder, Metall danach im Ofenneinnein
SLSKunststoffpulverLaserneinnein, Tischgeräte für Profis
Multi Jet FusionKunststoffpulverSchmelzmittel und Infrarotwärmeneinnein
SLM, DMLSMetallpulverLaser unter Schutzgasjanein
EBMleitfähiges MetallpulverElektronenstrahl im Vakuumweniger als beim Laser, laut Herstellernein
LOMPapier, Kunststoff, MetallfolieKleben oder Ultraschallje nach Maschinenein
DED, WAAMMetallpulver oder DrahtLaser, Elektronenstrahl oder Lichtbogenkeine Angabe gefundennein
Quelle: Herstellerangaben (Stand Oktober 2026) von Stratasys, Prusa, Formlabs, Texas Instruments, Anycubic, HP, EOS, Colibrium Additive, 3D Systems, Fraunhofer IFAM, ILT und IPT sowie die Fachaufsätze in den Quellen.

Wie läuft die Prozesskette im 3D-Druck ab?

Die Prozesskette ist die Folge der Arbeitsschritte, bis ein Bauteil fertig ist und seine Aufgabe erfüllt. Die TU Bergakademie Freiberg teilt sie in ihrer Vorlesung zur additiven Fertigung in sechs Schritte:

  1. CAD-Modell: Das Bauteil wird konstruiert, eingescannt oder aus medizinischen Daten wie einem CT gewonnen. Mehr dazu: CAD-Modellierung.
  2. Modellaufbereitung: Das Modell wird als Dreiecksnetz gespeichert, meist als STL oder 3MF, und geprüft. Danach wird es im Bauraum ausgerichtet und in Schichten zerlegt. Mehr dazu: 3D-Dateiformate.
  3. Prozessvorbereitung: Für jede Schicht werden Füllung, Stützen und Bahnen festgelegt und in Steuerdaten für den Drucker umgewandelt, beim FDM-Drucker als G-Code. Beide Schritte erledigt meist ein Slicer. Mehr dazu: Slicer und G-Code-Befehle.
  4. Bauprozess: Der Drucker baut das Teil Schicht für Schicht auf.
  5. Nachbearbeitung: Stützen und Restmaterial werden entfernt, je nach Verfahren wird das Teil nachgehärtet, wärmebehandelt oder geschliffen. Mehr dazu: Nachbearbeitung im 3D-Druck.
  6. Anwendung: Das Teil wird geprüft und eingesetzt.

Ist 3D-Druck dasselbe wie additive Fertigung?

Im Alltag ja: 3D-Druck steht für alle Verfahren, die ein Bauteil aus 3D-Daten Schicht für Schicht aufbauen. So hält es auch die Norm ISO/ASTM 52900 in einer Anmerkung fest. Fachlich ist der Begriff enger: Laut DIN Media meint die VDI-Richtlinie 3405 mit 3D-Druck nur das Binder Jetting. Auch der VDI-Statusreport von 2014 schreibt, Fachleute verstünden darunter nur dieses eine Verfahren. Der Oberbegriff in der Fachsprache ist additive Fertigung. Wie alles angefangen hat, steht in der Geschichte des 3D-Drucks.

Quellen

  • Die Norm ISO/ASTM 52900 kennt sieben Gruppen: Materialextrusion (etwa FDM), badbasierte Photopolymerisation (SLA, DLP, MSLA), pulverbettbasiertes Schmelzen (SLS, SLM, EBM, Multi Jet Fusion), Freistrahl-Bindemittelauftrag (Binder Jetting), Freistrahl-Materialauftrag (Material Jetting), Schichtlaminierung (LOM) und Materialauftrag mit gerichteter Energieeinbringung (DED).

  • Für zu Hause eignen sich vor allem der Filamentdruck (FDM) und der Harzdruck mit LCD (MSLA). Für beide gibt es viele Geräte für Privatleute. Lasersinter-Geräte für den Tisch richten sich an Werkstätten und Firmen. Für die übrigen Verfahren haben wir kein Gerät für Privatleute gefunden (Stand Oktober 2026).

  • Beide härten flüssiges Harz mit Licht. Bei SLA fährt ein Laser jede Schicht Punkt für Punkt ab, bei DLP belichtet ein Projektor die ganze Schicht auf einmal. Drucker mit LCD-Bildschirm heißen MSLA: Dort leuchtet eine LED-Fläche durch ein LCD, das als Maske dient.

  • Beide schmelzen Pulver mit einem Laser. SLS verarbeitet Kunststoffpulver und braucht keine Stützen, weil das lose Pulver das Teil trägt. SLM verarbeitet Metallpulver unter Schutzgas, dort brauchen Überhänge Stützen, auch damit die Wärme abfließt.

  • Die Folge der Arbeitsschritte bis zum fertigen Bauteil. Die TU Bergakademie Freiberg nennt sechs: CAD-Modell, Modellaufbereitung (etwa als STL oder 3MF, in Schichten zerlegt), Prozessvorbereitung, Bauprozess, Nachbearbeitung und Anwendung.

Sercan Kahraman

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Sercan Kahraman

Mein Name ist Sercan und ich beschäftige mich seit 2013 mit dem 3D-Druck. Eine Leidenschaft, die 2016 zur Gründung von threedom führte. Hier schaffst du den Einstieg in die wunderbare Welt der Schichten und vermeidest Fehlkäufe. Im Ratgeber kannst du Stunden verbringen und dein Wissen vertiefen – kostenlos. Viel Spaß! 

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