Kleber für 3D-Drucke: Was hält auf PLA, PETG, ABS und TPU?

Zuletzt aktualisiert: 11. Oktober 2026
Von: Sercan Kahraman

Für die meisten 3D-Drucke aus PLA, PETG und Resin ist Sekundenkleber der richtige Kleber. ABS und ASA verklebst du mit Aceton, große oder belastete Teile mit Zwei-Komponenten-Epoxid. Hier steht, welcher Kleber zu welchem Filament passt, mit Werten aus den Datenblättern der Hersteller.

  • PLA, PETG und Nylon: Sekundenkleber, dünn aufgetragen, volle Festigkeit meist nach etwa 24 Stunden.
  • Resin: Sekundenkleber, Epoxid oder flüssiges Resin mit UV-Licht.
  • ABS und ASA: Aceton löst beide an und verschweißt die Flächen.
  • Große Flächen, Spalten, Belastung: Zwei-Komponenten-Epoxid.
  • PP und PE: nur mit Primer oder einem Spezialkleber für PE und PP.
  • TPU: ein Sekundenkleber, der flexibel bleibt; Epoxid härtet starr aus.

Welcher Kleber passt zu welchem Filament?

Für PLA, PETG, Nylon und Resin passt Sekundenkleber, für ABS und ASA Aceton. PP und PE halten nur mit Primer oder einem Spezialkleber, und TPU braucht einen Kleber, der flexibel bleibt.

FilamentPasstPasst nicht
PLASekundenkleber; Epoxid für große TeileEpoxid in dicken Schichten, weil es beim Aushärten warm wird; Aceton klebt nur manche PLA-Sorten
PETGSekundenkleber; EpoxidAceton, weil es PETG nicht anlöst; PVC-Rohrkleber
ABS und ASAAceton; SekundenkleberÜberschüssiger Sekundenkleber, wenn er nicht sofort abgewischt wird
TPUSekundenkleber, der flexibel bleibtEpoxid, weil es starr aushärtet
Nylon (PA)SekundenkleberPVC-Rohrkleber; Primer bringt laut Henkel nichts oder schadet
PP und PESekundenkleber mit Primer; Zwei-Komponenten-Acrylat für PE und PPnormaler Sekundenkleber und Epoxid ohne Vorbehandlung
Resin (SLA)flüssiges Resin plus UV-Licht; Sekundenkleber; Epoxid für große TeileFlächen mit ungehärtetem Resin

Wann reicht Sekundenkleber?

Sekundenkleber reicht für fast alle kleinen und mittleren Teile aus PLA, PETG, ABS, ASA, Nylon und Resin. Prusa nennt ihn für PLA ausdrücklich, und Loctite schreibt auf seiner Ratgeberseite, er sei für PLA, ABS und PETG die beste Wahl. Chemisch heißt Sekundenkleber Cyanacrylat.

Er ist schnell, aber nicht sofort fertig. Laut Datenblatt des Pattex Ultra Gel hat er nach 5 Minuten etwa die Hälfte seiner Festigkeit und erst nach etwa 24 Stunden die volle. Belaste das Teil also erst am nächsten Tag.

  • Dünnflüssig oder Gel? Dünnflüssiger Kleber zieht in enge Fugen. Gel läuft laut Datenblatt von Loctite 454 auch auf senkrechten Flächen nicht ab.
  • Dünn auftragen. Je dünner der Klebefilm, desto schneller und fester die Verbindung, schreibt Pattex. Laut Datenblatt von Loctite 406 härtet Sekundenkleber in breiten Spalten langsamer aus.
  • Aktivator nur bei Bedarf. Ein Aktivator beschleunigt das Aushärten. Laut Datenblatt von Loctite 406 kann er dabei die Endfestigkeit senken.
  • Überschuss sofort abwischen. Bei ABS und ASA kann überschüssiger Sekundenkleber Spannungsrisse auslösen, warnt Henkel. Ausgehärteter Kleber tut das nicht mehr.

Messwerte speziell für PETG haben wir bei keinem Klebstoffhersteller gefunden. Für das verwandte PET misst Henkel mit Loctite 401 über 22 N/mm², dabei brach das Material vor der Klebung. Das spricht dafür, dass Sekundenkleber auf PETG gut hält, ist aber kein PETG-Test.

Sekundenkleber für PLA, PETG und Resin

WIKO – SuperGlue 100 LL Sekundenkleber mittelflüssig – 20 ml

WIKO – SuperGlue 100 LL Sekundenkleber mittelflüssig – 20 ml

Hersteller WIKO

Wann ist Zwei-Komponenten-Epoxid besser?

Epoxid ist besser, wenn ein Spalt gefüllt werden muss, wenn die Klebefläche groß ist oder wenn das Teil später Kraft aufnimmt. Sekundenkleber füllt Spalten nur begrenzt und verträgt laut Henkel wenig Wärme.

Zwei-Komponenten-Epoxid mischst du aus Harz und Härter. Danach bleibt dir die Topfzeit zum Arbeiten. Beim UHU plus schnellfest sind das laut Datenblatt 5 Minuten. Handfest ist er nach 20 Minuten, belastbar nach einer Stunde, ganz ausgehärtet nach 12 Stunden.

Bei PLA ist Vorsicht nötig. Epoxid wird beim Aushärten warm, und PLA verformt sich laut Prusa ab etwa 60 °C. Pattex warnt auf seiner Ratgeberseite, dass manche Epoxidharze PLA-Teile dabei beschädigen können. Trag deshalb bei PLA keine dicken Schichten auf einmal auf.

Zwei-Komponenten-Epoxid für belastete Teile

Wie klebst du ABS und ASA mit Aceton?

Du streichst Aceton dünn auf beide Klebeflächen und drückst die Teile zusammen. Aceton löst ABS und ASA an, die Flächen verschweißen miteinander. Prusa nennt das Kleben mit Aceton für beide Filamente ausdrücklich.

Für PLA ist Aceton keine sichere Wahl. Prusa schreibt, dass sich manche PLA-Filamente mit Aceton anlösen und kleben lassen. In Prusas eigenem Test klebten alle Farben von Prusament PLA mit Aceton, anlösen ließ sich das PLA damit aber kaum. Aceton löst PETG nicht an, Prusa nennt zum Anlösen von PETG nur Dichlormethan.

Aceton ist leicht entzündbar. Der Flammpunkt liegt laut Sicherheitsdatenblatt bei minus 17 °C, die Dämpfe sind also schon bei Zimmertemperatur zündfähig. Arbeite gelüftet und ohne offene Flamme oder Funken in der Nähe.

Aceton für ABS und ASA

Wie klebst du PP, PE und TPU?

PP und PE klebst du mit Sekundenkleber und einem Primer, den du vorher aufträgst. Henkel hat auf glattem PP mit Loctite 401 allein 0,3 N/mm² gemessen. Mit dem Primer Loctite 770 hielt die Klebung über 13,5 N/mm²; dann verformte sich die Probe so stark, dass Henkel den Test abbrach. Anrauen allein brachte auf PP ebenfalls 13,5 N/mm². Beides zusammen war schwächer: mit Primer auf angerautem PP maß Henkel 9,0 N/mm². Nimm also entweder Primer oder Schleifpapier.

  • Primer. Dünn auftragen, ablüften lassen, dann kleben. Loctite 770 trocknet laut Datenblatt in höchstens 30 Sekunden, die Fläche bleibt danach bis zu 8 Stunden klebebereit.
  • Sekundenkleber mit Vorbehandlung für PE und PP. Pattex Sekundenkleber Plastik liegt ein Stift bei, den Pattex Aktivator nennt und der wie ein Primer vorher auf beide Flächen kommt. Laut Datenblatt klebt er so PE und PP.
  • Zwei-Komponenten-Acrylat. Weicon Easy-Mix PE-PP 45 ist laut Datenblatt für PE, PP und TPE gemacht und braucht keine Vorbehandlung.

Normale Sekundenkleber und Epoxid kleben PE und PP nicht. UHU und Pattex schließen beide Kunststoffe in ihren Datenblättern ausdrücklich aus.

Primer für PP, PE und andere schwer klebbare Kunststoffe

TPU ist flexibel, also muss auch die Klebestelle flexibel bleiben. Epoxid härtet starr aus, Loctite rät auf seiner Ratgeberseite bei flexiblen Teilen davon ab. Nimm einen Sekundenkleber, den der Hersteller ausdrücklich für flexible Klebestellen vorsieht, etwa Loctite 4850.

Wie klebst du Resin-Drucke?

Für Resin-Drucke nennt Formlabs drei Wege: Epoxid für große Teile, Sekundenkleber für kleine und mittlere, flüssiges Resin für kleine. Das Resin gibst du auf die Klebestelle und härtest es mit UV-Licht bei 405 nm aus; die Verbindung ist laut Formlabs wie beim Sekundenkleber wenig schlagfest.

Die Klebeflächen müssen vollständig ausgehärtet sein. Loctite schreibt für seinen 3D-Druck-Sekundenkleber vor, dass kein ungehärtetes Resin auf der Klebefläche sein darf.

Wie bereitest du die Klebestelle vor?

Du reinigst die Klebeflächen mit Isopropanol und lässt sie trocknen. Henkel nennt Isopropanol als Reiniger für alle 30 Kunststoffe in seinem Leitfaden. Anrauen hilft nicht überall: auf PP stieg die Festigkeit in Henkels Messung deutlich, auf PET sank sie mit Sekundenkleber.

  1. Teile trocken zusammenstecken und prüfen, ob sie passen.
  2. Bei ABS sowie vor dem Kleben mit Epoxid die Flächen mit Schleifpapier anrauen; bei PP entweder anrauen oder Primer nehmen; bei PETG mit Sekundenkleber eher nicht anrauen (gemessen an PET).
  3. Staub und Fett mit Isopropanol entfernen, trocknen lassen.
  4. Kleber dünn auftragen, Teile ausrichten und fixieren.
  5. Bis zur vollen Festigkeit warten, bei Sekundenkleber etwa 24 Stunden.

Leichter wird das Kleben, wenn das Modell schon beim Zerteilen Verbinder bekommt. PrusaSlicer kann beim Schneiden Zapfen, Passstifte oder Schnappverbindungen anlegen. Die Teile richten sich dann von selbst aus.

Was du nach dem Kleben mit der Naht machst, also schleifen, spachteln und lackieren, steht im Ratgeber zur Nachbearbeitung von 3D-Drucken.

Worauf musst du beim Kleben achten?

Sekundenkleber klebt Haut und Augenlider in Sekunden, das steht in der EU als Warnhinweis auf jeder Packung. Trag Nitrilhandschuhe, keine aus Baumwolle. Baumwolle reagiert mit Sekundenkleber unter starker Wärme, in der Fachliteratur sind dadurch Verbrennungen beschrieben.

  • Dämpfe von Sekundenkleber nicht einatmen, laut UHU können sie Atembeschwerden verursachen.
  • Aceton und Primer sind leicht entzündbar. Gut lüften, keine offene Flamme.
  • Dichlormethan löst PETG laut Prusa, ist aber als vermutlich krebserzeugend eingestuft. Für das Kleben zu Hause raten wir davon ab.

Quellen

  • Sekundenkleber. Prusa nennt ihn für PLA ausdrücklich, er hält nach Sekunden und erreicht seine volle Festigkeit nach etwa 24 Stunden. Für große Teile oder Spalten nimmst du Zwei-Komponenten-Epoxid, aber in dünnen Schichten, weil Epoxid beim Aushärten warm wird und PLA ab etwa 60 °C weich wird.

  • Meist ja. Loctite nennt Sekundenkleber auf seiner Ratgeberseite für PETG die beste Wahl. Messwerte speziell für PETG haben wir bei keinem Klebstoffhersteller gefunden; auf dem verwandten PET hält Loctite 401 laut Henkel so fest, dass das Material vor der Klebung bricht. Raue PETG dafür eher nicht an: auf PET sank die Festigkeit mit Sekundenkleber dadurch. Aceton funktioniert bei PETG nicht.

  • Nur bei manchen PLA-Sorten. Prusa schreibt, dass sich einige PLA-Filamente mit Aceton anlösen und kleben lassen; in Prusas Test klebten alle Farben von Prusament PLA, anlösen ließ sich das PLA aber kaum. Verlässlicher ist Sekundenkleber. Aceton ist der richtige Weg für ABS und ASA.

  • Sekundenkleber hat laut Pattex nach 5 Minuten etwa die Hälfte seiner Festigkeit und nach etwa 24 Stunden die volle; Loctite nennt für seinen 3D-Druck-Kleber 24 bis 72 Stunden. Schnelles Zwei-Komponenten-Epoxid wie UHU plus schnellfest ist nach 20 Minuten handfest, nach einer Stunde belastbar und nach 12 Stunden ganz ausgehärtet.

  • PP und PE haben eine sehr niedrige Oberflächenenergie, Kleber benetzen sie kaum. Henkel hat auf glattem PP mit Sekundenkleber allein 0,3 N/mm² gemessen; mit Primer hielt die Klebung über 13,5 N/mm². Nimm also Sekundenkleber mit Primer oder einen Kleber, der ausdrücklich für PE und PP gemacht ist.

  • Ein Kleber, der nach dem Aushärten flexibel bleibt, etwa ein Sekundenkleber wie Loctite 4850, den Henkel für flexible Klebestellen vorsieht. Epoxid härtet starr aus und ist für flexible Teile laut Loctite keine gute Wahl.

  • Einen Kleber, der zu Hause belegbar für Lebensmittelkontakt taugt, haben wir nicht gefunden. Pattex schreibt in zwei Datenblätter seiner Sekundenkleber „Nicht für den Lebensmittelkontakt“, und für Klebstoffe gibt es in der EU bisher keine eigene Einzelregel. Die Angabe „FDA-konform“ betrifft in den USA Verpackungskleber, die vom Lebensmittel getrennt sind oder es nur in Spuren an Nähten berühren; über eine Klebenaht an einem selbst gedruckten Becher sagt sie nichts.

  • Formlabs nennt drei Wege: Epoxid für große Teile, Sekundenkleber für kleine und mittlere, flüssiges Resin mit UV-Licht bei 405 nm für kleine. Die Klebeflächen müssen vorher vollständig ausgehärtet sein.

Sercan Kahraman

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Sercan Kahraman

Mein Name ist Sercan und ich beschäftige mich seit 2013 mit dem 3D-Druck. Eine Leidenschaft, die 2016 zur Gründung von threedom führte. Hier schaffst du den Einstieg in die wunderbare Welt der Schichten und vermeidest Fehlkäufe. Im Ratgeber kannst du Stunden verbringen und dein Wissen vertiefen – kostenlos. Viel Spaß!