Die Angaben zu den einzelnen Verfahren stammen von den Herstellern, von Fraunhofer-Instituten und aus Fachaufsätzen. Die Quellen stehen am Ende.
Welche 3D-Druck-Verfahren gibt es?
Es gibt sieben Gruppen von 3D-Druck-Verfahren: Materialextrusion, badbasierte Photopolymerisation, pulverbettbasiertes Schmelzen, Freistrahl-Bindemittelauftrag, Freistrahl-Materialauftrag, Schichtlaminierung und Materialauftrag mit gerichteter Energieeinbringung. So teilt sie die internationale Norm ISO/ASTM 52900 ein, in Deutschland gültig als DIN EN ISO/ASTM 52900 von 2022. Die bekannten Namen wie FDM, SLA oder SLS sind Verfahren innerhalb dieser Gruppen, oft auch 3D-Druck-Arten oder 3D-Druck-Technologien genannt.
| Gruppe (Kürzel) | Was passiert | Bekannte Verfahren |
|---|---|---|
| Materialextrusion (MEX) | Material wird durch eine Düse ausgebracht | FDM, FFF, FLM |
| Badbasierte Photopolymerisation (VPP) | Licht härtet flüssiges Harz in einem Becken | SLA, DLP, MSLA (LCD), CLIP |
| Pulverbettbasiertes Schmelzen (PBF) | Wärme verschmilzt Bereiche eines Pulverbetts | SLS, SLM, EBM, Multi Jet Fusion |
| Freistrahl-Bindemittelauftrag (BJT) | ein flüssiger Binder verklebt Pulver | Binder Jetting |
| Freistrahl-Materialauftrag (MJT) | ein Druckkopf setzt Tropfen des Materials ab | Material Jetting, PolyJet, MultiJet Printing |
| Schichtlaminierung (SHL) | Lagen aus Papier, Kunststoff oder Metallfolie werden verbunden | LOM |
| Materialauftrag mit gerichteter Energieeinbringung (DED) | Laser, Elektronenstrahl oder Lichtbogen schmilzt das Material, während es aufgetragen wird | Laserauftragschweißen (LMD), WAAM |

Was ist Materialextrusion (FDM, FFF, FLM)?
Bei der Materialextrusion wird ein Kunststoffdraht, das Filament, in einer beheizten Düse geschmolzen und Bahn für Bahn auf das Druckbett gelegt. Schon 2014 nannte der VDI das Verfahren bei Heimanwendern weit verbreitet. FDM, kurz für Fused Deposition Modeling, ist eine Marke von Stratasys. Deshalb nennt das RepRap-Projekt dasselbe Verfahren FFF, Fused Filament Fabrication. Die VDI-Richtlinie 3405 spricht von FLM, Fused Layer Modeling. Überhänge brauchen Stützen, die bei Druckern mit zwei Düsen auch aus einem anderen, etwa löslichen Material sein können.
Mehr dazu: Fused Deposition Modeling (FDM) und FDM-Drucker-Arten.
Was ist badbasierte Photopolymerisation (SLA, DLP, MSLA)?
Bei der badbasierten Photopolymerisation härtet Licht ein flüssiges Harz, das in einem Becken steht, Schicht für Schicht aus. Die Verfahren unterscheiden sich darin, wie das Licht auf das Harz kommt:
- SLA mit Laser: Ein UV-Laser fährt jede Schicht über bewegliche Spiegel ab.
- DLP: Ein Projektor belichtet die ganze Schicht auf einmal. Das Bild formt ein Chip mit winzigen Spiegeln, den Texas Instruments unter dem Namen DLP herstellt.
- MSLA oder LCD: Eine LED-Fläche leuchtet durch einen LCD-Bildschirm, der als Maske nur die Stellen der Schicht durchlässt. Das LCD ist also keine Lichtquelle.
- CLIP: Carbon projiziert UV-Licht durch ein sauerstoffdurchlässiges Fenster, die Teile kommen danach in einen Ofen.
Formlabs zählt Laser, DLP und LCD alle zur Stereolithografie. Selbst der aktuelle Harzdrucker von Formlabs, der Form 4, belichtet mit einem LCD und nicht mehr mit einem Laser. Harzdrucker mit LCD gibt es auch für zu Hause, etwa die Photon-Mono-Reihe von Anycubic.
Mehr dazu: Stereolithographie (SLA), Digital Light Processing (DLP), FDM und SLA im Vergleich und die besten Resin-3D-Drucker.
Was ist pulverbettbasiertes Schmelzen (SLS, SLM, EBM)?
Beim pulverbettbasierten Schmelzen liegt das Material als dünne Pulverschicht auf der Bauplattform, und eine Wärmequelle verschmilzt gezielt die Stellen, die zum Bauteil gehören. Danach senkt sich die Plattform, eine neue Pulverschicht kommt darüber. Die Verfahren dieser Gruppe unterscheiden sich stärker, als die ähnlichen Namen vermuten lassen:
- Selektives Lasersintern (SLS): Ein Laser schmilzt Kunststoffpulver wie Polyamid (PA) oder TPU. Das Pulverbett wird vorgeheizt. Stützen braucht es nicht, weil das lose Pulver das Teil trägt.
- Selektives Laserschmelzen (SLM): Ein Laser schmilzt Metallpulver unter Schutzgas. Hier brauchen Überhänge Stützen, auch damit die Wärme abfließt. EOS nennt das Verfahren DMLS, die Normreihe ISO/ASTM 52911 PBF-LB/M.
- Elektronenstrahlschmelzen (EBM): Ein Elektronenstrahl schmilzt Metallpulver im Vakuum. Jede Schicht wird vorher stark erhitzt, je nach Werkstoff laut Hersteller Colibrium Additive auf bis über 1000 °C.
- Multi Jet Fusion (MJF) von HP: Ein Druckkopf trägt ein Schmelzmittel auf das Kunststoffpulver auf, danach schmilzt Infrarotwärme die benetzten Stellen. Auch hier trägt das lose Pulver das Teil.
Mehr dazu: Selektives Lasersintern (SLS), Selektives Laserschmelzen (SLM) und Elektronenstrahlschmelzen (EBM).
Was ist Freistrahl-Bindemittelauftrag (Binder Jetting)?
Beim Binder Jetting trägt ein Druckkopf einen flüssigen Binder auf eine Pulverschicht auf und verklebt das Pulver an diesen Stellen. Geschmolzen wird dabei nichts. Das Pulver kann aus Metall, Keramik, Glas oder Sand sein. Stützen braucht es nicht. Das frisch gedruckte Teil ist porös. Metallteile werden deshalb danach vom Binder befreit und im Ofen gesintert, wobei sie schrumpfen.
Mehr dazu: Binder Jetting.
Was ist Freistrahl-Materialauftrag (Material Jetting)?
Beim Material Jetting setzt ein Druckkopf winzige Tropfen des Materials gezielt ab, ähnlich wie ein Tintenstrahldrucker. Das Material ist meist ein lichthärtender Kunststoff, den UV-Lampen nach jeder Schicht sofort aushärten, bei 3D Systems auch Wachs für den Feinguss. Für Überhänge druckt ein eigener Druckkopf ein Stützmaterial, das sich später auswaschen, ablösen oder ausschmelzen lässt. Bekannt sind PolyJet von Stratasys und MultiJet Printing von 3D Systems, etwa für mehrfarbige Prototypen und in der Zahnmedizin.
Mehr dazu: Material Jetting.
Was ist Schichtlaminierung (LOM)?
Bei der Schichtlaminierung werden Lagen aus Papier, Kunststoff oder Metallfolie aufeinander verbunden und in Form geschnitten. Je nach Maschine wird erst geschnitten und dann verbunden oder umgekehrt. Beides beschreibt schon das Patent von Michael Feygin, das 1996 an die Firma Helisys ging. Mcor Technologies baute Drucker, die normales Büropapier verklebten und farbig bedruckten. Mcor stand Ende 2019 unter Zwangsverwaltung, ein solches Papiergerät haben wir im Handel nicht mehr gefunden (Stand Oktober 2026). Metallfolien verbindet Fabrisonic mit Ultraschall.
Mehr dazu: Laminated Object Manufacturing (LOM).
Was ist Materialauftrag mit gerichteter Energieeinbringung (DED)?
Bei der gerichteten Energieeinbringung schmilzt ein Laser, ein Elektronenstrahl oder ein Lichtbogen das Material in dem Moment, in dem es aufgetragen wird. Das Material kommt als Metallpulver oder als Draht. Beim Laserauftragschweißen (LMD) schmilzt ein Laser Pulver oder Draht, bei WAAM schmilzt ein Lichtbogen einen Draht, ähnlich wie beim Schweißen. Das Fraunhofer ILT nennt als Einsatz Schutzschichten gegen Verschleiß und Korrosion. Der VDI nennt das Instandsetzen von Bauteilen. Das Fraunhofer IPT baut so große Metallteile, die danach gefräst werden.
Welche 3D-Druck-Verfahren gibt es für zu Hause?
Für zu Hause kommen für dich vor allem zwei Verfahren in Frage: Materialextrusion mit Filament (FDM) und Harzdruck mit LCD (MSLA). Für beide verkaufen viele Hersteller Geräte für Privatleute. Ein lieferbares DLP-Gerät für Privatleute haben wir nicht gefunden: Der Photon Ultra von Anycubic ist ausverkauft (Stand Oktober 2026). Lasersinter-Geräte für den Tisch gibt es, etwa von Formlabs und Sinterit, sie richten sich aber an Werkstätten, Labore und Firmen. Für die übrigen Verfahren haben wir kein Gerät für Privatleute gefunden. Es gibt sie für Firmen, als Bürogerät oder als Industrieanlage.
Welcher Drucker zu dir passt, steht in unseren Kaufberatungen: 3D-Drucker im Vergleich und die besten Resin-3D-Drucker.
Wie unterscheiden sich die 3D-Druck-Verfahren im Vergleich?
| Verfahren | Ausgangsmaterial | Verfestigt durch | Stützen | Für zu Hause |
|---|---|---|---|---|
| FDM, FFF | Filament aus Kunststoff | beheizte Düse | ja, bei Überhängen | ja |
| SLA mit Laser | flüssiges Harz | UV-Laser | ja | kein aktuelles Gerät gefunden |
| DLP | flüssiges Harz | Projektor | ja | derzeit keins lieferbar gefunden |
| MSLA, LCD | flüssiges Harz | LED-Fläche hinter LCD-Maske | ja | ja |
| Material Jetting | Harz, Wachs | Tropfen aus dem Druckkopf, UV-Lampen | ja, eigenes Stützmaterial | nein |
| Binder Jetting | Pulver aus Metall, Keramik, Glas, Sand | flüssiger Binder, Metall danach im Ofen | nein | nein |
| SLS | Kunststoffpulver | Laser | nein | nein, Tischgeräte für Profis |
| Multi Jet Fusion | Kunststoffpulver | Schmelzmittel und Infrarotwärme | nein | nein |
| SLM, DMLS | Metallpulver | Laser unter Schutzgas | ja | nein |
| EBM | leitfähiges Metallpulver | Elektronenstrahl im Vakuum | weniger als beim Laser, laut Hersteller | nein |
| LOM | Papier, Kunststoff, Metallfolie | Kleben oder Ultraschall | je nach Maschine | nein |
| DED, WAAM | Metallpulver oder Draht | Laser, Elektronenstrahl oder Lichtbogen | keine Angabe gefunden | nein |
Wie läuft die Prozesskette im 3D-Druck ab?
Die Prozesskette ist die Folge der Arbeitsschritte, bis ein Bauteil fertig ist und seine Aufgabe erfüllt. Die TU Bergakademie Freiberg teilt sie in ihrer Vorlesung zur additiven Fertigung in sechs Schritte:
- CAD-Modell: Das Bauteil wird konstruiert, eingescannt oder aus medizinischen Daten wie einem CT gewonnen. Mehr dazu: CAD-Modellierung.
- Modellaufbereitung: Das Modell wird als Dreiecksnetz gespeichert, meist als STL oder 3MF, und geprüft. Danach wird es im Bauraum ausgerichtet und in Schichten zerlegt. Mehr dazu: 3D-Dateiformate.
- Prozessvorbereitung: Für jede Schicht werden Füllung, Stützen und Bahnen festgelegt und in Steuerdaten für den Drucker umgewandelt, beim FDM-Drucker als G-Code. Beide Schritte erledigt meist ein Slicer. Mehr dazu: Slicer und G-Code-Befehle.
- Bauprozess: Der Drucker baut das Teil Schicht für Schicht auf.
- Nachbearbeitung: Stützen und Restmaterial werden entfernt, je nach Verfahren wird das Teil nachgehärtet, wärmebehandelt oder geschliffen. Mehr dazu: Nachbearbeitung im 3D-Druck.
- Anwendung: Das Teil wird geprüft und eingesetzt.
Ist 3D-Druck dasselbe wie additive Fertigung?
Im Alltag ja: 3D-Druck steht für alle Verfahren, die ein Bauteil aus 3D-Daten Schicht für Schicht aufbauen. So hält es auch die Norm ISO/ASTM 52900 in einer Anmerkung fest. Fachlich ist der Begriff enger: Laut DIN Media meint die VDI-Richtlinie 3405 mit 3D-Druck nur das Binder Jetting. Auch der VDI-Statusreport von 2014 schreibt, Fachleute verstünden darunter nur dieses eine Verfahren. Der Oberbegriff in der Fachsprache ist additive Fertigung. Wie alles angefangen hat, steht in der Geschichte des 3D-Drucks.
Artikel für noch mehr 3D-Druck-Wissen:
Quellen
- Norm: ISO/ASTM 52900:2021, Leseprobe; DIN EN ISO/ASTM 52900:2022-03; DIN Media, Additive Fertigungsverfahren; VDI 3405; VDI-Statusreport Additive Fertigungsverfahren 2014
- Materialextrusion: Stratasys, FDM; RepRap, Fused filament fabrication; Prusa, Erster Druck mit PrusaSlicer; VDI 3405 Blatt 3.4
- Harz: Formlabs, SLA, DLP und MSLA im Vergleich; Formlabs Form 4; Texas Instruments, DLP; Anycubic Photon Mono 4; Anycubic Photon Ultra; Carbon DLS
- Pulverbett: ISO/ASTM 52911-1; EOS M 290, Datenblatt; EOS, SLS; EOS, DMLS; Lupone u. a. 2021, SLS; Colibrium Additive, Electron Beam Powder Bed Fusion; HP Multi Jet Fusion; Raz u. a. 2025, MJF; Formlabs Fuse 1+; Sinterit
- Binder Jetting und Material Jetting: Fraunhofer IFAM, Metal Binder Jetting; Fraunhofer HTL, Binder Jetting; Stratasys, PolyJet; 3D Systems, MultiJet Printing
- Schichtlaminierung: Patent US 5,354,414 (Feygin); Mcor IRIS, Archivkopie 2015; Mcor, Archivkopie Dezember 2019; Fabrisonic, UAM
- Gerichtete Energieeinbringung: Fraunhofer ILT, Laserauftragschweißen; Fraunhofer IPT, WAAM
- Prozesskette: TU Bergakademie Freiberg, Additive Fertigung, Einführung; 3MF-Spezifikation











