3D Druck im Tabletop-Bereich

3D Drucker bringt man vorzugsweise mit industriellem Einsatz oder unterschiedlichen Designprozessen in Verbindung. Klar – in Sachen Rapid Prototyping oder Rapid Manufacturing können 3D Drucker ihre Vorteile auch überaus gut ausspielen. Doch wussten Sie, dass sich 3D Drucker auch hervorragend im Bereich Hobby und Freizeit einsetzen lassen? Hier ist vor allem die Spiele-Szene im Bereich Tabletop überaus aktiv – und druckt individuelle Spielfiguren, Dekorationen und echte Eigenkreationen. Wir haben uns daher mal ein wenig genauer mit dem Einsatz von 3D Druckern für Tabletop Spiele auseinandergesetzt.

Was ist Tabletop?

Der Begriff „Tabletop“ stammt aus dem englischen Sprachraum und lässt sich mit „Tischplatte“ übersetzen. Bei diesen Spielen handelt es sich um ein Strategiespiel-System, genauer gesagt ein System aus dem Bereich der Konfliktsituation. Anders als bei herkömmlichen Brettspielen ist bei einem Tabletop kein klassisches Spielbrett nötig – gespielt wird, wie der Name es andeutet, zumeist direkt auf einem Tisch. Bei den meisten gängigen Tabletop-Spielen wird auf Spielfelder völlig verzichtet, die Bewegungen der Spielfiguren werden durch Ausmessen mittels Maßband oder Maßstab realisiert. In einigen Fällen werden auch Planen mit Hex-Feldern für die Bewegung eingesetzt, dieses Prinzip bildet allerdings eine Ausnahme.
Ein Tabletop-Spiel kann entweder zweidimensional mit Bewegungsmöglichkeiten in zwei Achsen oder, insbesondere bei Flug- oder Weltraumsimulationen, dreidimensional unter Berücksichtigung der Höhenverhältnisse gespielt werden.

Welche Tabletop-Spiele gibt es?

Tabletop Spiele existieren für die unterschiedlichsten Geschmäcker und Vorlieben. Fast allen Tabletops gemein ist die Simulation von Schlachten, was bedeutet, das zwei oder mehr „Armeen“ beziehungsweise „Staffeln“ gegeneinander antreten. Abhängig vom Spielsystem wird entweder größter Wert auf Realismus gelegt (bei Tabletops, die sich historischen Auseinandersetzungen wie dem zweiten Weltkrieg oder mittelalterlichen Konflikten widmen) oder der Fokus liegt auf leicht zugänglichen, kreativen Spielumgebungen (bei Science-Fiction oder Fantasy).
Bekannte Tabletop-Spiele sind unter anderem:

– Warhammer 40k
– Star Wars X-Wing
– Field of Glory
– Demonworld
– De Bellis Multitudines

Bei Tabletop Systemen wird zwischen der Darstellung von großen Schlachten mit teilweise über 100 Modellen pro Seite und sogenannten Skirmish-Tabletops unterschieden. Skirmish-Tabletops stellen kleine Scharmützel dar, kommen also mit wesentlich weniger Einheiten aus und sind daher zum einigen günstiger, zum anderen wesentlich weniger komplex und somit einsteigerfreundlich.

Wie sieht ein typisches Tabletop-Spiel aus?

Auf einem vorab definierten Spielfeld, was zwischen 90 x 90 cm und mehreren Metern Grundfläche liegt, werden je nach System Häuser, Barrikaden, Dekoobjekte und natürlich die Spielfiguren platziert. Abhängig von den stellenweise überaus komplexen Regelwerken wird dann rundenweise die Bewegung jeder Figur sowie deren Aktionen (ducken, schießen, abwehren etc.) durch Maßstäbe und Würfel umgesetzt. Jede Einheit hat dabei unterschiedliche Vor- und Nachteile, die es geschickt im Spielverlauf umzusetzen gilt.
Ein Spiel dauert in der Regel zwischen 90 Minuten und mehreren Stunden, extrem umfangreiche Spiele können auch problemlos über mehrere Tage andauern!

Was zeichnet Figuren bei Tabletop-Spielen aus?

Auffällig selbst für Laien ist der hohe Detailgrad der verwendeten Figuren und Objekte im Tabletop. Die heutzutage zumeist aus Kunststoff oder Resin bestehenden Figuren sind je nach Spiel entweder vorbemalt oder werden von den Spielern in aufwändiger Handarbeit coloriert. Dabei können die Spieler weitestgehend kreativ und individuell vorgehen, denn nur die wenigsten Spiele (vor allem die auf historischen Gegebenheiten basierenden Systeme) bestehen in den Regelwerken auf vordefinierte Farbgebung. Ein bunt eingefärbter Panzer oder ein farbenfroh schillerndes Kampfflugzeug würde in einer Simulation des zweiten Weltkrieges nun mal vollkommen deplatziert wirken, wohingegen eine Armee aus Orks oder eine Staffel im Bereich von Star Wars durchaus nach eigenem Geschmack gestaltet werden kann.

Wie lässt sich der 3D Druck für Tabletop-Spiele einsetzen?

Wie bereits erwähnt legen viele Spieler großen Wert auf die individuelle Gestaltung ihrer Spielfiguren. Je nach Maßstab und System sind dabei unterschiedliche Ausrüstungsgegenstände (Schwerter, Gewehre, Kanonen) oder diverse Deko-Objekte wie Fässer, Zäune, Ruinen gefragt. In der Vergangenheit mussten Spieler hier entweder auf Angebote der Hersteller zurückgreifen oder sich in mühevoller, langwieriger Arbeit eigene Gussformen erstellen. Mit der Verbreitung des 3D Drucks ist eine völlig neue Form der Individualisierung von Figuren und Modellen möglich geworden. Plattformen wie Thingiverse stellen hier unzählige, detailreiche CAD-Modelle kostenfrei zur Verfügung, die von den Spielern für den Druck eigener Modelle verwendet werden. Alternativ gibt es bereits auch viele Spieler, die in Foren Ihren eigenen 3D-Drucker und ihr Know-How in Sachen CAD-Modelling anderen Spielern zur Verfügung stellen.

Was genau kann denn durch 3D Druck individualisiert werden?

Stellen Sie sich eine gängige Armee aus Orks vor, wie sie zum Beispiel im „Herrn der Ringe“ zu finden ist. Hier hat jeder Ork seine eigene Waffe, einigen fehlt durch vergangene Schlachten ein Stück vom Arm und im Hintergrund agiert ein Zauberer mit seinem auffälligen Zauberstab. Einsatzmöglichkeiten für den 3D Druck wären hier individuelle Waffen, veränderte Körperteile und natürlich jegliches Zubehör, was rund um eine Armee anfällt. Da jedes Tabletop-System einen vorgegebenen Maßstab besitzt, können individuelle Bauteile ganz einfach im richtigen Größenverhältnis erstellt und gedruckt werden. Werden diese Teile anschließend noch bemalt, ist am Modell nicht mehr zu erkennen, ob die Waffe original vom Hersteller oder aus dem 3D Drucker stammt.

Können auch ganze Figuren gedruckt werden?

Die durchschnittliche Tabletop-Figur ist zwischen 30 und 60 mm hoch – also in der optimalen Größe für einen Desktop-3D-Drucker.Daher ist es naheliegend, dass die Spiele-Community nicht nur Zubehöre, sondern vollständige Modelle im 3D-Druck erstellt. Dabei gilt: Je „nerdiger“ die Community aufgestellt ist und je gängiger das Tabletop-System, desto mehr vorgefertigte CAD-Daten sind frei im Netz verfügbar. Zu den aktivsten Communities überhaupt gehören die Spieler des X-Wing Tabletop-Systems. Hier kämpfen originalgetreu umgesetzte Miniatur-Raumschiffe der Rebellen gegen das Imperium – und da das Star Wars Universum an sich unglaublich vielfältig ist, ist auch die Anzahl verfügbarer Modelle für 3D Drucker gigantisch. Zwar sind bereits die Original-Modelle des Herstellers FFG schon unglaublich detailreich und in unterschiedlichsten Varianten erhältlich – aber wer immer schon mal einen „Y-Wing“ aus der klassischen Trilogie mit der ursprünglich verbauten, in den Filmen aber nie gezeigten Verkleidung sein Eigen nennen wollte, der kommt um Modelle aus dem 3D Drucker nicht herum. Gleiches gilt für Schiffe, die nicht für das Spiel veröffentlicht wurden. Auch hier kann dank Thingiverse und Co. schnell eine ungeahnte Vielfalt an Schiffen ins Spiel gebracht werden.

Gibt es rechtliche Probleme oder Einschränkungen im Spielbetrieb durch Modelle aus dem 3D-Drucker?

Achtung:

Folgende Info ist keine Rechtsberatung! Bitte Rechtsbeistand kontaktieren, bei konkreten Vorgängen!

Solange die Spiele nur im privaten Bereich gespielt werden, sind es alleine die Spieler selbst, die sich Beschränkungen auferlegen. Die Funktion einer Figur auf dem Tabletop-Spielfeld wird in vielen Systemen nicht durch das Modell, sondern durch zugehörige Karten definiert. In diesen Systemen ist es egal, ob der eigentlich mit einem Schwert bewaffnete Ork plötzlich eine Laserkanone in der Hand hat. Anders sieht es natürlich bei Tabletop-Spielen aus, die sich eng an der Wirklichkeit anlehnen oder bei denen die Ausrüstung einer Figur die Funktion im Spiel vorgibt. Ein Soldat aus dem 16. Jahrhundert mit einer Kalaschnikow ausrüsten ist hier genauso ungern gesehen wie eine Messerschmidt BF 109 mit Flügeln eines X-Wings.
Rechtlich gesehen untersagen so gut wie alle Hersteller den kompletten Nachdruck Ihrer Figuren. Im Star Wars Universum kommen noch lizenzrechtliche Probleme hinzu, die den Druck auch außergewöhnlicher Schiffe untersagen. Bei offiziellen Turnieren sind Eigenkreationen hingegen nach Absprache mit den Turnierleitern in der Regel erlaubt.

Was kostet ein 3D Druck Tabletop?

Während die CAD-Modelle weitestgehend kostenlos im Netz verfügbar sind, schlagen die Dienstleister für den eigentlichen 3D-Druck ordentlich zu Buche. Preise zwischen 10 Euro für eine Waffe und 800 Euro für eine große Star Wars Fregatte sind nicht unüblich. Da die meisten der Dienstleister in den USA ansässig sind, kommen noch Transport- und Zollkosten oben drauf. Eigenkreationen sind also alles andere als ein günstiges Vergnügen – sofern man nicht stolzer Besitzer eines eigenen 3D-Druckers ist.

Welche Anlaufstellen für 3D-Drucke im Bereich Tabletop-Spiele gibt es?

Die Community in Sachen Tabletop-Spielen ist vor allem in Foren aktiv. Besonders für die „großen“ und bekannten Spiele wie Warhammer und X-Wing existieren umfangreiche, deutschsprachige Foren.

X-Wing: https://www.moseisleyraumhafen.com/
Warhammer: https://www.gw-fanworld.net/

In diesen Foren wird ausgiebig diskutiert, natürlich auch über Eigenkreationen aus dem 3D-Drucker. Hoch interessant sind auch Blogs rund um das Hobby. Hier wäre vor allem „TabletopDeutschland“ zu nennen. Diese Seite bietet massig Informationen rund um das Spiel und seine Möglichkeiten.

TabletopDeutschland: https://tabletopdeutschland.com/